Der Erinnerungskultur überdrüssig?

Diejenigen, die Erinnerungskultur überdrüssig sind, argumentieren gern, dass sie ja weder Zeitzeugen waren noch sich beteiligt hätten was passierte. Doch ihre bare Existenz zeugt davon, dass sie immerhin zu denen gehört haben können, die Nachfahren derer sind, die dafür gesorgt haben, dass es weniger Nachfahren der Ander(sdenkend)en gibt. Etwas mehr Demut stünde denjenigen gut zu Gesicht, die sich angesichts des grassierenden Neofaschismus und Neonationalismus auch nicht dagegen positionieren; ich meine jene denen angeblich die „Gnade der späten Geburt“ (Helmut Kohl, früher mal so was wie Bundeskanzler). Sie tragen die Fratze derer, die Verantwortung trugen. Und jeder trug damals Verantwortung. Die Täter als Erste. Die Zeugen hiernach, die direkten und indirekten. Und die Profiteure, denen Eigentum, Stand und Besitz zufiel. Und ohne das „Tätervolk“ zu bemühen, auch Mitläufer und jene die Weggesehen haben, wenn es ernst wurde. Alle also, denen die Erinnerungskultur zu weit geht oder zu lang andauert. Sie alle leben noch.