Sympathisanten

»In der ersten der drei Reihen zählenden Anklagebank sitzt unweit von Beate Zschäpe André E., der gilt als überzeugter Nazi, auf seine Brust steht „Die Jew die“. Im Publikum sitzt sein Bruder, bekannter Neonazi aus Brandenburg. Gemeinsam mit Karl-Heinz S., der zur selben Zeit als der NSU mit seinen Anschlägen begann zu jener Neonazi-Gruppe gehörte, die den Anschlag auf die Grundsteinlegung der Münchner Synagoge plante.« So liest sich ein Absatz im Artikel der Süddeutschen über den ersten Prozesstag. Vor dem Gerichtssaal, vor den Absperrungen müssen derweil Jugendliche mit Migrationshintergrund unter den Augen gleich so vieler Polizisten draußen bleiben. An dem Gerücht, wonach die Gruppe von der Polizei abgeführt sein soll, ist nichts dran. Der unterschiedliche Zugang, rechtsextreme Staatsfeinde als Sympathisanten im Gerichtssaal, im Vertrauen in den Rechtsstaat erschütterte junge Menschen mit Migrationshintergrund unter polizeilicher Beobachtung davor: Diese Gemengelage im wiedervereinten Nachkriegsdeutschland kotzt mich an. Und mit dieser Einstellung, die alles andere als als linksextrem einzustufen ist, gerate ich in Gefahr, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden. Absurd, grotesk.

(Update #1) Am Tag darauf, das lese ich von einer am Boden lesenden BILT, schreibt Springer, die Neonazis seien lediglich vor dem Gericht gesichtet worden. Gut das diesem Qualitätsjournalismus ab sofort durch den Kohlecent für die Presseverlage auf die Beine geholfen wird. Daneben war übrigens die „Post von Wagner“, an die Hinterbliebenen gerichtet. Geschmackloser geht es nun wirklich nicht, liebe Friede.

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