Antideutsche in allen Lagern

Israelkritik führt zu merkwürdigen Reflexen, findet auch Laurie Penny, die in einem offenen Brief an die antideutsche Linke ihre Position als Person erklärt. Habe es nicht lassen können und auch mal einen Teil der Demarkationslinie markiert, wie ich sie – auch aus eigener Anschauung – sehe.

Auch in Deutschland werden von Rechten jedweden Bräunungsgrades „Israelfahnen auf ihren Demonstrationen mitgeführt“, sogar von Pegidioten. Das sie sich deswegen mit Israel verbünden glaube ich nicht, vielmehr glaube ich daran, das es sich um einen provokativen Akt handelt und dafür spricht, das sie ebenso Deutschlandflaggen mit sich führen, und das obwohl sie das heutige Deutschland so sehr verachten, das sie nach seiner Beseitigung trachten. Vermutlich sind diese Antideutschen in der Rechten die eigentlichen Antideutschen, denn die Antideutschen als den herrschenden Staat ablehende Gruppe tun das in erster Linie, weil in ihren Augen der Staat die Rechte der nicht rechten denen der Andersdenkenden, Asylbewerber, Ausländer, und nicht zuletzt ihren eigenen Rechten vorzieht. Sie haben diesen Eindruck vermutlich auf Konfrontationskurs mit einem Staat erworben, der denen, die demokratische Strukturen bekämpfen mit polizeilichem Schutz zu Seite steht, und das obwohl die Rechten der Polizei als Vertretern des Staates genau so gern den Dolch in den Rücken schieben und ihre eigenen Sicherheitskräfte aufstellen, was ja in Form brauner Bürgerwehren gerade landauf, landab und einer zunehmenden Zahl untergetauchter, per Haftbefehl gesuchter Rechter passiert. Und da passiert nichts, ergo: Die linken Antideutschen sehen immer nur den Knüppel, und zwar sowohl von der Polizei als auch von den Rechten. Und das man solche Verhältnisse nicht gutheißt, kann ich ein kleinwenig nachvollziehen. Es bedarf in Deutschland einer die Gewaltenteilung übergreifenden, gesellschaftlichen Konsenz, das die Neue Rechte das Schlechte ist. Wenn das nicht geschieht, die sächsische Justiz beispielsweise weiter ganz klar eine Paralleljustiz gegen Linke führt, wenn verfassungswidrige Parolen der Rechten zu Achselzucken, beim selben Polizisten aber der Protest dagegen zum Schlagstockeinsatz gegen Antifaschisten führt, wenn die Kanzlerin, immerhin Regierungsoberhaupt, Grundrechte nicht ohne Widerwort aus den eigenen Reihen verteidigen kann, und sei es von Seehofer von der Schwesterpartei, dann läuft was falsch im Staate Deutschland, anno 2016. Bis wir die braunen Spuren vor unserer eigenen Haustür beseitigen steht es uns ohnehin nur bedingt zu dieselben Verhältnisse andernorts zu kritisieren, ob es uns gefällt oder nicht.

Vielleicht hat Mathias Döpfner doch recht, und wir brauchen eine radikalisierte Mitte, dann aber eine, die zuerst die Rechte ausschaltet, denn dann wird die Linke ihre Aktivitäten auf das gute Leben konzentrieren können, statt Rechten ihr Leben schwer machen zu müssen. Müssen, denn damit steht sie allein da, oder wart ihr in letzter Zeit mal auf antifaschistischen Demonstrationen gegen Rechte, die mehr als ein Prozent eines Promill der Gesamtbevölkerung mobilisierte? Eben. Deutschland geht die Deutschen nichts an könnte man meinen. Klar das unter den Bedingungen auch Antideutsche gibt, die Deutschland ablehnen.

Der Hitlergruß und das Recht freie Meinungsäußerung

Im Pfälzischen Merkur verlautbart Julia Klöckner, Spitzenkandidatin der CDU in Rheinland Pfalz, folgendes:

Ich mag natürlich auch keinen, der sich mit einem Hitler-Gruß ablichten lässt und Anführer einer Pegida-Demonstration ist. Dennoch ist das Recht auf freie Meinungsäußerung, auch wenn einem die Inhalte nicht gefallen, grundlegend für unsere freie Gesellschaft.

Sicherheitshalber habe ich den Wortlaut ihres Interviews mit Hilfe der Web Wayback Machine gerichtsfest gehalten, denn die Pressestelle versucht bereits ihr missglücktes Interview einzuordnen, Kritiker einzunorden und die Darstellung als solche einzufangen. Das Problem ist nur: Natürlich hat dieselbe Pressestelle das Interview vorher freigegeben. Jedes Interview wird freigegeben, gerade solche der Spitzenkandidaten, und gerade in der heißen Wahlkampfphase. Und das Interview also auch, denn es ist eines der CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner. Und das Zitat ist keineswegs aus dem Zusammenhang gerissen, vielmehr ist das Interview an sich ziemlich zusammenhangloser Populismus. Und gerade darum darf man gewiss sein: Hier wurde mit klarem Kalkül etwas an die Presse weitergereicht, und nun stellt sich nur noch die Frage: Um Klöckner zu schaden oder ein Signal an den möglichen Koalitionspartner zu senden. Denn in den letzten Wochen entglitt der Partei erst der Zuspruch für die Spitzenkandidatin und dann auch noch die Meinungshoheit über die Debatte zur TV-Debatte mit dem SWR, bei der Julia Klöckner ebenso dafür gesorgt hatte, das die klar rechtskonservative, so genannte Alternative für Deutschland öffentlich-rechtliche Sendezeit bekommt, die der Intendant des Südwest-Rundfunk ihr zugebilligt, aber SPD und Grüne durch ihr Veto verneint hatte. Mit diesem weiteren Signal an die Gefolgschaft aus dem braunen Dunstkreis rund um Pegida und AfD ist klar das die Konservative den Schulterschluss probt und mit jeder Stimme für die CDU ein Bündnis mit der rechten Alternative für Deutschland unter Führung von Julia Klöckner der Weg geebnet wird.

(Update)

Kalter Kaffee?

Über Twitter wurde ich darauf aufmerksam gemacht, das der Artikel angeblich aus dem Januar 2015 sei und darauf hingewiesen werden sollte, wenn darüber berichtet würde, was ich hiermit gern nachhole.

Was mich dazu bewog, darüber jetzt zu berichten? Ein anderer, ein aktueller Tweet, also der selbe Mechanismus, allerdings auch: die hohe Aktualität. Denn gerade ist die neue Vorratsdatenspeicherung erst wieder in Kraft getreten und die juristischen Maßnahmen dagegen angelaufen, und davon ist im Artikel die Rede gewesen. Und dann das Gewicht, das Pegida zu dem Zeitpunkt bereits verliehen wurde: Die Schweigemärsche in der Dresdner Innenstadt waren zu dem Zeitpunkt gerade mal ein Vierteljahr alt und hatten noch nicht das Gewicht, das die stellvertretende Vorsitzende der CDU – noch zumal im völlig anderen Bundesland beheimatet – sich damit notwendigerweise auseinanderzusetzen hätte. Ferner ließ eine merkwürdige Verklausulierung „die Anschläge“ daran denken, das die jüngsten Anschläge von Paris ja noch nicht so lang zurück lagen, jedenfalls nicht mehr als ein Jahr lang. Das und das man Anfang des Jahres gern mal noch die alte Jahreszahl geschrieben und eben überlesen wird, führte im Gemenge mit dem tatsächlichen Versuch der Pressestelle, die Nachricht zu unterdrücken, in dem Bericht. Ob das kalter Kaffee ist, möge der Leser einordnen. Neben keiner Entschuldigung war eine Einordnung des Interview die einzige Klarstellung der Rheinland-Pfälzischen CDU, insofern hat die Vorsitzende damals und die Spitzenkandidatin heute nichts von ihrer damals geäußerten Rechtsauffassung aufgegeben. Andernfalls wäre der nicht erklärte aber zur Schau getragene Wille, den SWR zu Sendezeit für die Alternative für Deutschland zu zwingen nicht zu erklären.

LAGESO!

Mitten in Moabit herrschen Zustände wie wir sie aus Krisenregionen nicht kennen: Während andere Länder viele Millionen und ein Viertel ihrer Bevölkerungszahl aufnehmen, sind die reichen Deutschen schon mit einem Prozent überfordert. Während deutsche Rüstungsexporte in aller Welt immer mehr Flüchtlinge hervorrufen, während deutsche Soldaten und Söldner an Kriegsschauplätzen Schaulustige mimen oder KSK-Killersoldaten spielen, kommen die Leidtragenden hierzulande an. Die freiwilligen Helfer bei der Berliner Erstaufnahme LaGeSo senden einen Hilferuf:

Von einem Land, das Hilfseinsätze in verwüsteten Erdbebenregionen, Kriegsgebieten und Flüchtlingslagern koordiniert, darf man erwarten können, dass sie dieses vergleichsweise kleine Problem ein paar hundert Meter Luftlinie vom Kanzleramt entfernt, innerhalb von ein paar Stunden lösen kann. Wenn denn ein Wille dazu da wäre. Ich sehe nichts von diesem Willen.

Und die einzigen behördlichen Hilfeleistung jenseits der nach dem Grundrecht auf Asyl: 1. Das Gesundheitsamt hat die Küche geschlossen, mit der die Flüchtlinge behelfsmäßig mit Nahrung und Wasser versorgt wurden. 2. Das Ordnungskräfte behindern die Versorgung von Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung. Ich habe mal einen Vorschlag: Ziehen wir doch die deutschen Soldaten, Söldner und zivile militärische Berater aus den Regionen ab und entsenden sie mitten nach Berlin, freilich unbewaffnet. Dort könnten sie dann Wiedergutmachung dafür leisten, was sie in den unsicheren Herkunftsländern teils seit Jahrzehnt nicht schaffen: Den Frieden zu sichern, den auch deutsche Waffenlieferungen mit zerstört haben.

Anschlag vs. Bagatelldelikte

Vor ein paar Tagen hatte zuletzt Sascha Lobo in einer Kolumne dazu aufgerufen: »Nennt sie endlich Terroristen!« Gemeint war der Journalismus, dessen er sich bedient, und der sich verharmlosender Wortwahl bedient. Dabei geht es meiner Meinung nach nicht nur darum die Rechtsterroristen endlich beim Namen zu nennen, sondern auch ihre Taten. Es sind Anschläge. Es sind keine Bagatelldelikte. Es wird Brandstiftung verübt, es werden Mob-artige Aufmärsche veranstaltet, es werden linke Politiker angegriffen. Und trotzdem liest man immer eines: Es handele sich um Übergriffe, Angriffe, Attacken usw. usf.

Jüngst aber, als die Brandstifter der rechtspopulistischen AfD Ziel wahlweise eines Übergriffs, Angriffs, Attacken, da hat man die Tat wieder beim Namen genannt: Auf das Unternehmen von Frauke Petry sei ein Anschlag verübt worden hieß es unisono, natürlich auch weil Presse inzwischen oft 1:1 Abdruck von Presseagenturmeldung bedeutet.

Dennoch: Das unterschiedliche Maß ist gerade so offensichtlich, das ich das mal direkt gegenüber stellen will.

Dies sind nur 3 und wahllos zusammengestellte Vergleiche. Würde sich jemand die Mühe machen, die publizistische Relativierung rechtsextremer Terroranschläge objektiv zu untersuchen, würde man wohl zu einem repräsentativeren Ergebnis kommen. Fest steht aber, das die deutsche Politik einerseits keine Lösungen parat hat, aber Populismus. Und das Rechtsextreme immer dreister und dreckiger agieren. Es wird Zeit das der gerade geforderte Aufstands der Anständigen an Fahrt auf- und dabei die Redaktionen der Republik mitnimmt.

Und noch ein Hinweis. In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich mal von Clickcourage gebloggt. Doch das gibt es nicht nur in der Form, mit einem Klick ein Petition zu zeichnen, einen Aufruf zu unterstützen oder eine Pressemitteilung zu like’n. Mathias Richel ruft dazu auf, die Aufwiegler der braunen Brandstifter mit ihrem Machwerk zu konfrontieren, indem man nämlich ihre einschlägigen Beiträge markiert, und sie und vor allem ihren Freundes- und Bekanntenkreis darüber aufklärt, wes Geistes Kind sie da in ihrer Freundeliste haben.

ZeltstaDD

»Diejenigen, die das [Menschen mit Steinen, Flaschen, Feuerwerkskörpern, … angreifen] tun, werden wir unerbittlich verfolgen und zur Rechenschaft ziehen.«

Schön. Nun könnte man sagen, das ist der Job des Innenministers, gut das er das den 150 extrem gewaltbereiten Rechtsextremen nochmal in Erinnerung ruft. Aber das war ja gar nicht der Innenminister. Diese Verlautbarung kam direkt aus der Staatskanzlei, von Staatskanzlei-Chef Fritz Jaeckel (CDU), der das am Samstag der Deutschen Presse-Agentur gegenüber verlautbarte. Die Kampfansage kam also direkt von den Wasserträgern des Ministerpräsidenten, vermutlich weil der schon in der Sommerpause ist und sich von Flüchtlingen nicht die . Da scheint jemand um seinen Ruf in aller Welt zu fürchten.

Schade, das es dazu tätliche Angriffe vor laufenden Kameras internationaler Medien bedurfte. Ja, so weit ist es schon. Pegida-Dresden wird 20 Jahre nach dem Pogrom von Lichtenhagen Schauplatz ausländerfeindlicher Krawalle. Die hohe Zahl arbeitsloser Rechtsextremer lässt befürchten das die nicht wochenenndlich bleiben, sondern wie in Freital (auch: Sachsen) zu einer fortlaufenden Veranstaltung wird.

Im Duden findet sich für unerbittlich folgende Bedeutungen: 1. „sich durch nichts erweichen, umstimmen lassend“, 2. in seinem Fortschreiten, Sichvollziehen, in seiner Härte, Gnadenlosigkeit durch nichts zu verhindern, aufzuhalten. Und vielleicht ist ja sogar beides gemeint. Allein mir fehlt der Glaube.

Und ausserdem: Bin ich der einzige, den das stark an eine Mischung aus dem xenophoben Säbelrasseln von Horst „PKW-Maut für Ausländer!“ Seehofer’s „Wer betrügt, fliegt!“ und Roland „Kriminelle Ausländer!“ Koch’s „brutalsmögliche Aufklärung“ klingt?

Lange war die Strategie der C*U, keiner Partei am rechten Rand Raum zu lassen, offensichtlich geht die nicht auf: Nicht nur die NPD, die zu der Krawalle eingeladen hatte, auch deren Spinoff, die so genannten „Alternative für Deutschland“ sind längst etabliert wo die Union sogar absolute Mehrheiten stellte.

Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Union dazu lernt und umdenkt, oder wie in Thüringen mit den Rechtsextremen [damals gegen den westdeutschen Gewerkschafter Bodo Ramelow] in Fakelmärschen demonstriert.

Die Linken um Blockupy mussten nur Clownskostüme und Schirme mitbringen um [auch] von [der Thüringer und sächsischen] Polizei Stunden lang eingekesselt und teils brutal behandelt zu werden. Der rechtsextreme Mob hingegen wird jetzt vielerorts geduldet und ist teils kaum noch zu bändigen.

Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen rechten Schlaf gebracht.

G7 vs. Goebbels

Wie sehr die Hitler-Vergleiche populärer Boulevardmedien bei Minderbemittelten verfangen konnte man beim diesjährigen G7-Gipfel im bayrischen Schloss Elmau live im Volksempfänger verfolgen: Bereitschaftspolizisten funkten die Sportpalastrede von Joseph Goebbels aus dem Jahr 1943. Spiegel informiert darüber ausgerechnet in direkter Nachbarschaft zu einem Artikel über Putin, damit auch nur niemand Obamas „Krieg gegen den Terror“™ fälschlicherweise unter Goebbels „Totalen Krieg“ einordnet:

Polizisten funken Goebbels-Zitat: Zwei Polizisten haben während ihres Einsatzes beim G-7- Treffen im bayerischen Schloss Elmau über Funk einen Ausschnitt aus einer
Goebbels-Rede verbreitet. Die beiden Beamten waren mit der 1. Bereitschaftspolizeiabteilung aus Bonn/Ramersdorf zum Gipfel der Regierungschefs angereist, um das Gelände zu sichern. Über zwei private Funkgeräte spielten sie fünf Tage vor Beginn des G-7-Spektakels das berüchtigte Zitat aus der Sportpalastrede des NS-Reichspropagandaministers Joseph Goebbels von 1943 ab: „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ Der
Vorgang fiel auf, da vor und während des Gipfels der Funkverkehr um Elmau überwacht wurde. Ein hochrangiger Sicherheitsbeamter nannte den Vorgang „skandalös“, auch weil zu befürchten sei, dass „die Sicherheitskräfte von US- Präsident Barack Obama und anderer Regierungschefs das
verfolgten“. Die Staatsanwaltschaft München II überprüfte den Vorfall, sah aber kein strafbares Handeln. Das Polizeipräsidium Bonn hat ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Ein Sprecher der Behörde sagte, man sei „entsetzt“ über die beiden Beamten.

Entsetzt!

Provinzpolitik

Wer abschiebt, wird entlastet, fasst die Süddeutsche einen gestern bekannt gewordenen Vorstoß des Chefpopulisten der CSU zusammen. Dessen Ansinnen, diejenigen Landräte zu beschleunigten Abschiebungen zu verleiten, dürfte in den Landkreisen des Freistaates derzeit heftig an den Stammtischen diskutiert werden. Und dort gehört solche Brandstiftung allerhöchstens hin, und nicht an die Spitze der Landespolitik. Das zeigt allerdings auch mit welcherlei Augenmaß die föderale Landespolitik daher kommt: Sie endet am Tellerrand. Über die Kirchturmspitze wird nicht hinaus gesehen.

Doch wer glaubt die provinzielle Politik wäre nur jenseits des Weißwurstäquator so ewiggestrig, den wird die folgende Nachricht aus dem schwarz-grün regierten Hessen überraschen: Dessen Verfassungsschutzpräsident hält „V-Leute sind unverzichtbar“, obwohl das Desaster NSU noch nicht aufgearbeitet und die Konsequenzen daraus nicht einmal ansatzweise implementiert wurden. Obschon bekannt ist, dass das rechtsextreme Spektrum ohne V-Leute in Politik und den so genannten „Freien Kameradschaften“ ohne Finanzspritzen des Rechtsstaates substanzlos zusammenbrechen würden. Kann man machen, ist halt scheiße. Aber die ist bekanntlich braun, und gleich und gleich gesellt sich gern.

88 in DD?

2015. Pegida gibt es noch. Beinah ein halbes Jahr laufen ein paar politisch uninteressierte so genannte „besorgte Bürger“ schweigend durch Dresden und Leipzig (und, wenn die „Lügenpresse“ weiter von den paar Hand voll Parolen von/ an Stammtischen unter freiem Himmel verbreitenden mehr berichtet als von wesentlichen Ereignissen in unserer Gesellschaft auch in Frankfurt, Kassel, Darmstadt, und sonstwo im Westen)

Dabei ist bis heute mIt Ausnahme einiger Reden mit teils volksverhetzendem Charakter und einem durchsichtigen Thesenpapier nichts über den Beweggrund des sich vergangenen Montag in Dresden in einen Mob verwandelnden nunmehr als Gewaltmarsch geltenden Schweigemarsch bekannt

Was Pegida eint ist die Zwietracht, die (das System und die Andersdenkenden) kontra „wir“ (Professoren, Kriminelle, Rechtsextreme)

Und das wiederum eint sie mit Rechtskonservativen, Rechtsradikalen, Rechtsextremen beider Generation – Vor- wie Nachrkriegspegida: Ausgrenzung Andersdenkender, Angriffe anderer. Es fehlt nur noch die Machtübernahme den sich selbst zur Karikatur Hitlers machenden Bachmann.
Nächsten Montag wird sich zeigen ob diese „Volksbewegung“ auch noch Menschen anzieht, wenn ein kleiner militärisch agierender Arm Asylanten an einer Kirche attackiert. Der nächste Montag in Dresden wird ein Lackmustest für die Gesinnung dieser so genannten „besorgten Bürger“.

Linksextremometer

Oft zitiert wurde vergangene Woche eine Studie zum linken, linksradikalen und linksextremen Spektrum vor. Darin stellten zwei Wissenschaftler unterschiedliche Fragen, deren Beantwortung als Position verstanden eine Zurechnung zu einem der Lager der politischen Linke zulassen soll. »Wie linksextrem bist du?« stellt ein Indikatorsystem in Fragebogenform vor. Fünf Minuten und man kann sich selbst einstufen. Es fehlt höchstens noch die Durchwahl zum Aussteigerprogramm Linksextremismus unterhalb. Natürlich zeigt die verkürzte Darstellung nur: Das dies Phänomen immer noch nicht verstanden wurde. Natürlich ist es die Gesellschaft, die Linke und Rechte erst generiert. Die garniert die Ränder nach ihrem Gutdünken. Und die Linke ist leider auch ein Phänomen, das in Teilen eben nicht nur gegen Rechts agiert, sondern auch gegen das System und die Gesellschaft. Aus der verschwindend geringen Szene aber auf den übrigen Teil zu schließen zeugt nur von Unkenntnis, Unwillen Realität zu akzeptieren oder im schlimmsten Fall von bewusst herbeigeführten Untersuchungsergebnissen. Die Fragestellungen lassen auf Letzteres deuten. Es sind die selben Denkschemata, die die Extremismustheoretiker Jesse und Carmen Everts sowie deren bekannteste Anhängerin Kristina Schröder nachhängen. Dumpfe Denkmuster zur Beschreibung einer immer feingliedriger ausdifferenzierter Gesellschaft, kurzum: Diese Unrat wird von Lesern der BILT und Wählern Union gerade noch verstanden, aber bringt die Gesellschaft nicht voran.

Habe im Beitrag noch einen Kommentar hinterlassen, der meine Wut über diese konservativen „Wutbürger“ in der „Mitte“ zum Ausdruck bringen sollte:

Habe den Fragebogen einem Freund von der Jungen Union zukommen lassen. Seinen ehrlichen Antworten zufolge sei er Linksradikal, meinte er daraufhin. Allerdings haben wir festgestellt, das sich die Antworten aus der Situation heraus ergeben, in der die Fragen gestellt werden. Wenn jemand gerade von rechtsextremen Gewaltverbrechen gelesen hat, die von einem Demonstrationszug in der Kölner Innenstadt ausgingen, neigt er natürlich dazu, Rechtsextremen die Rechte zu verweigern, die die mit dem System an sich abschaffen wollen. Wenn jemand von drei-vier Überfällen auf Asylbewerberheime am Tag liest, ist er eher geneigt, radikalere Vorschläge zu übernehmen, um Menschen aus der Fremde zu schützen. Ist gerade eine Mosche oder Synagoge geschändet worden, soll man mir die links der Mitte zeigen, die sich nicht dazu hingerissen fühlen die Parteizentralen der Partei DVU, der NPD, Republikaner, Die Rechte, AfD zu stürmen und das Inventar zu verwüsten – und schon ist man bei der Frage “Gewalt gegen Sachen” auf der selben Höhe mit Rechtsextremen.
Und genau da liegt die Crux: Wie damals, als die konservative Mitte der Gesellschaft die Füße still hielt, weil sie sich nicht Links oder Rechts zugerechnet sah, hält sie sich jetzt wieder zurück, wenn es darum geht genau die Gewaltverbrechen der Rechten zu brandmarken. Kaum eine Demonstration gegen Rechts kommt auf nennenswerte Teilnehmerzahlen. Jedenfalls für eine Demokratie mit so finsterer Geschichte.
Mehr noch werden diejenigen, die sich trotzdem auf die Straße trauen, die sich in der tagtäglichen antifaschistischen Arbeit in Lebensgefahr begeben, auf Augenhöhe mit Neonazis und ihren Taten gestellt.
Und überdies tun die Konservativen nehmen die Konservativen noch einen ähnlichen vergleichenden Umweg: Sie vergleichen die Verbrechen des Nationalsozialismus mit den Millionen Opfern von Stalin, relativieren ihre eigene (Mit-)Schuld.

Das sind die selben Reflexe der Krise Anfang bis Mitte des letzten Jahrtausend. Nur die Generation ist eine andere.

Q: Udo

SHC? RIP, Oury!

RIP, Oury Jalloh. Heute ist Spontane menschliche Selbstentzündung höchstrichterlich vom Mythos zur Faktenlage erklärt worden. Ourry Yalo war betrunken und hat in dem Zustand Frauen belästigt, in Folge dessen kam er zu tode. Von der Polizei wurde er zuvor in Gewahrsam genommen, vermutlich zum Zwecke der Ausnüchterung und um ihn vor sich selbst und die Frauen vor ihm zu schützen. In einer Zelle auf einem Polizeirevier in Dessau aber kam es dann zu etwas, das bis heute nicht ursächlich geklärt werden konnte: Der Mann verbrannte auf einer feuerfesten Liege, obwohl ihm vor der Inhaftierung Hab und Gut abgenommen wurde. Es kann sich daher nur um einen Fall von SHC handeln, dem englischen Akronym für Spotane menschliche Selbstentzündung, da niemand davon ausgehen kann das die Polizei, die als einzige freizügigen Zugriff auf den Zellentrakt gehabt dürfte, ihren Schützling in Brand gesteckt hat. Genau das, nämlich die Unschuld der Beamten, hat das zweite Gericht in Folge nun letztinstanzlich festgestellt. Und hiermit eben den Beweis erbracht: Spontane menschliche Selbstentzündung gibt es doch.