Marek Lieberberg fordert Aufstand der anständigen Muslime

Sichtlich aufgebracht verkündete Marek Lieberberg gestern die Aussetzung von Rock am Ring. Während seiner emotionalen Pressekonferenz machte er für die Unterbrechung des mehrtägigen Festivals Gott und die Welt verantwortlich. Die Welt in persona des Innenminister und der Polizeiführung, die ihn vor vollendete Tatsachen gestellt, das Festival zu unterbrechen. Und Gott in persona aller Muslime, von denen er forderte, sich gegen den militanten Islamismus zu bekennen und gegen sich auf den Islam berufenden Terrorismus auf die Straße zu gehen.

Aber so ist das leider mit Leuten aus den Medien und der Unterhaltung, die sich mit dem Thema nur auseinander setzen, wenn sei entweder dafür bezahlt werden oder dafür bezahlen müssen.

Xavier Naidoo etwa verbreitet teils ziemlich krude Thesen, ist aber zuvorderst kein Reichsbürger und schon gar kein Rechter; ich würde sogar sagen: Der hat nicht einmal eine dezidierte politische Meinung, die den Titel verdient.

In der näheren Nachbarschaft dessen Heimatstadt Mannheim marschieren heute in Karlsruhe tausend oder mehr oder weniger Neonazis, und er wird sich ihnen nicht anschließen. Und zig tausende Demokraten werden sich dem Pack entgegenstellen. Und es werden wieder nur wenige Promill der Gesellschaft an sich sein. Warum kaum jemand auf die Straße geht, wenn doch seit der Wiedervereinigung über zweihundert Menschen rechter Gewalt zum Opfer fielen? Weil es 80 Millionen Menschen in Deutschland gibt. Es gibt einfach genug, und nicht genug die es betrifft. Es traf bisher vor allem Obdachlose, Linke und Migranten.

Als eine nennenswerte Zahl Menschen mit Migrationshintergrund auf die Straße gingen, um gegen den NSU zu demonstrieren, ermittelten Polizeien und Verfassungsschutzer noch gegen die »Dönermafia«. Wie sogar auf Videoaufnahmen der Demonstration zu sehen ist, gab es auf der Demo die in ein Transparent gegossene Forderung, das es kein zehntes Opfer geben dürfe. Das Filmmaterial wurde in unzähligen NSU-Dokumentationen seither wiederverwendet, weil es klar und deutlich zeigt: Das die die Betroffenen um ihr Schicksal wusste, und der Rechtsstaat im Dunkeln oder der Presse hinterher tappte.

Insofern bleibt festzuhalten: Migranten gehen wie gute Deutsche nur auf die Straße wenn es sie persönlich tangiert. Demonstrationen scheinen inzwischen wie Direkte Demokratie und Bürgerinitiativen zu funktionieren. Betroffene bleiben Betroffene, Unbeteiligte beteiligen sich nicht. Oder anders ausgedrückt: Migranten sind bestens integriert.

Und trotzdem deswegen leider: Dem Rechtsstaat ausgeliefert.

Ich wüsste nicht, warum sich hier lebende, gut integrierte Muslime von Islamisten distanzieren müssten. Ebenso wenig distanzieren sich Deutsche von Rechten. Oder die CSU von Seehofer und die AfD von Höcke. Oder umgekehrt.

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