Aus zweiter Hand

Dies hier wird Prozessberichterstattung aus zweiter Hand.

Mit heutigem Tage begann der Prozess gegen den letzte mutmaßlichen Kopf des NSU, gegen den der sich nicht dem Rechtsstaat, den er abschaffen will, durch unfreiwillig-feigen Freitod  aus der Schlinge zog: Beate Zschäpe. Und gegen einen Teil ihrer zahlreichen Unterstützer, einer Hand voll und also Bruchteil des Netzwerkes von über einhundert Personen im Umfeld der rechtsextremen Terrorzelle, die mit zehn Menschen in zehn Jahren per anno den selben „Body Count“ auf dem Kerbholz hat wie die RAF. Allein die Konsequenzen daraus und die Auswahl der Opfer unterscheiden die beiden Gruppen, denn der konkrete Terror lässt sich keiner Ideologie zuordnen, keine Religion oder Ethnie; wer Terror der RAF oder des NSU ideologisch einordnet, hat schon verloren, denn es ist Ausgrenzung scheinbar wehrloser Minderheiten, die er heimsucht; wer sich auf die Fährte des Terror begibt, bemerkt recht schnell: Es sind in aller erster Linie die unmittelbaren Opfer und deren Angehörige Leidtragende des Terror, die Genugtuung der Täter aber verleiht erst die Öffentlichkeit, indem sie sich so in Ossi/Wessi, Okzident/Orient, Arm/Reich, Schwarz/Weiß teilen lässt, wie nach 9/11 geschehen.

Norwegen hat es vorgemacht: Der Staat darf sich nicht auseinander dividieren lassen, nicht in Legislative, Exekutive und Judikative, nicht in Staatsbürger vs. „die Politiker“. Nur wenn das Ziel klar ist, nämlich das extreme Rechte in diesem Land nie wieder eine Chance haben sollen, und das friedliche Zusammenleben aller nicht von einer Organisation gefährdet werden kann, wird sich Geschichte nicht wiederholen. Andernfalls sähe ich schwarz für dieses Deutschland, mit seiner braunen Vergangenheit und für Jahrezehnte roten Zahlen.

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