51%

Die so genannte Alternative begreift sich selbst als Alternative nicht zu von ihr selbst zu Altparteien ernannten Partien, sondern zum gesamten System; sie hat sich den Namen nicht zum Programm gemacht, um einer oder einer Gruppe von Parteien Paroli zu bieten, denn würde sie nicht nur auf 51% hinarbeiten. 51% oder absolute Mehrheit, das steht in ihrem Weltbild hingegen nicht für eine Mehrheit, sondern für eine Alleinherrschaft. Hitler hat diesen Prozentwert damals nie ausgerufen, sondern von sich aus und mit Gewalt die Macht ergriffen. Derer will sich diese Partei offenbar nicht bedienen, sondern strebt die demokratische Machtergreifung an – ob sie die Demokratie dann genau so beseitigen will, kann sie nicht sagen, selbst wenn sie wollte. Dann nämlich würde sie sofort verboten. Aber das Symbol, die 51%, das ist unmissverständlich, auch wenn diese Partei sich oft missverstanden fühlt.

Das kann nur gut finden, wer dem wohlwollend gegenübersteht. Das Grundgesetz wurde ersonnen, als Deutschland am Abgrund stand. Den Schritt weiter hatten die Väter des Grundgesetzes schon erlebt. Und das Deutschland dereinst wieder so gesonnen wäre wir heute, hätten sie nicht vermutet, vermute ich. Ich hoffe, zugegebenermaßen naiv, auf deren Naivität.

Aber Deutschland ist wieder stolz auf sich, auch wenn das nur zweijährlich mit ein paar Plastikfähnchen im Wind durchblicken lässt. Die Selbstzufriedenheit mit dem Exportüberschuss, längst „Starker Mann“ (vgl. „Väter des Grundgesetzes“, falls jemand glaubt, dad Patriarchat wäre 2018 vorbei).

Und die #fckafd geht geschickt auf Wählerfang. Etwa 35% braucht sie noch zur ganz demokratischen Machtergreifung. Und die hofft sie wie die ersten 15% zu erreichen: Mit strittigen Themen, mit Kontroversen und manchmal einfach eine noch nie dagewesenen Vergleich bei einer Rede vor geistig Verwirrten (so genannte Junge, so genannte Alternative), vermittelt von einem auf Auflagen und Klickzahlen schielenden willfährigen Journalismus, verbreitet über asoziale Netzwerke, rückgekoppelt und also wirkmächtiger als Volksempfänger, an deren Ende man auch abschalten konnte. Aber was jetzt über den Äther geht, begegnet einem zwangsläufig auch dann noch; an animierten Werbetafeln in der Unterführung, im Radio im Taxi oder von Freunden bei Facebook, deren politischer Sachverstand offenbar doch nicht so ausgereift ist.

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