Nenenanana

„Lasst uns ins Licht gehen und für die Liebe stehen, denn trotz allem Wahnsinn, den wir hier erleben, glaube ich und weiß, dass der positive Wandel nicht mehr aufzuhalten ist“

(Quelle: Nena auf Instagram)

„Ich glaube und weiß“ ist kein Weg in die Freiheit, sondern Bekenntnis dazu, dass zuerst das Geschwurbel steht, und dann die Gewissheit. Hokuspokus, der in den letzten 2000 Jahren auf- und immer wieder abgeschrieben wurde, bestimmen also dein Weltbild, und Fakten, wenn überhaupt akzeptiert, werden nur als Korrekturfaktor einbezogen, oder um im Bild zu bleiben:

Du hast das letzte Abendmahl vor dir, bist als Fotografin gebucht und machst das verlangte Gruppenfoto. Den Fokus legst du auf die zentrale Figur, die dir vom Auftraggeber als Sohn Gottes vorgestellt wurde. Ein anderer erzählt dir, dass er Jesus Job eher verdient hätte. Auf dem Klo ertappst du den später, wie er sich – allein wähnend – gut zuredet. Dass der Verrat schon klar geht. Und die Römer schon pfleglich mit ihm umgehen. Er sei schließlich Gottes Sohn. Den hatte er ihm wie allen bisher sehr wortreich, aber nie persönlich vorgestellt. Aber wenn er denn so allmächtig sei, sei er auch in der Lage seinen eigenen Sohn zu retten, rettet er da vor dem Spiegel sein Seelenleben. Du findest die alle sehr spooky. Aber du musst deinen Job machen. Und die Römer machen den ihren.

Und jetzt die dramatische Wende. Der Fotograf, der die Szenerie einfing, dass bist nicht du, sondern das sind wir, die Gesellschaft. Diejenigen noch nicht durchgeknallten, die das Fegefeuer als nettes Märchen sehen, nicht als Gesellschaftsmodell.

Kurzum, die, die das Zeitalter der Aufklärung ebenso an sich herangelassen haben, wie sie die Demokratie und die mit ihr untrennbar verwobene Freiheitlich demokratische Grundordnung als das nicht unfehlbare aber fortgeschrittenste Staatsform akzeptiert haben.

Du hingegen faselst, dass du „glaubst und weißt“, dabei packst du mit dem Glauben nur diejenigen auf der emotionalen Schiene, die ohnehin schon verunsichert bis verängst sind, und trichterst ihnen diese zigtausenden Jahre alten Nonsens ein, der schon manifest war, als der Aderlass als medizinischer Fortschritt noch hunderte Jahre auf sich warten ließ.

Die Gesellschaft (oder um im Bild zu bleiben: der Fotograf) hat seinen Job gemacht, also eine Bestandsaufnahme. Aber vielleicht lag er mit Fokus, Moment, Licht und all den komplexen Einstellungen, die einen an so einer modernen Kamera herausfordern, so daneben, dass er der Autopilot gewählt. Da misst die Kamera alles. Und der ist egal, ob im Bild jemand die Messer wetzt, um es ihm alsbald in den Rücken zu jagen. Wenn er die Augen aufhat und lächelt, sagt der Algorithmus: „Alle zwölf sind bereit. Es kann losgehen.“ Der Algorithmus in diesem Bild sind, du ahnst es: Unsere Sicherheitsbehörden. Sie wissen was ein Bild ausmacht. Weiße Schnürsenkel, Szenecodes, Springerstiefel, Ostbiographie, Bomberjacke.

Das eine uralte, schrullige, Neue Deutsche Welle Sängerin 2020 einem Kochbuchautor auf dem Weg ins Licht hinterherrennt, darauf wäre der Verfassungsschutz nicht einmal mit Künstlicher Intelligenz und Machine Learning gekommen. Denn alles was diese Technologien gegenwärtig auswerten können, ist was ihnen beigebracht wird. Die hätten auch keinen eineiigen, untalentierten, österreichischen Landschaftsmaler auf dem Schirm gehabt.