LAGESO!

Mitten in Moabit herrschen Zustände wie wir sie aus Krisenregionen nicht kennen: Während andere Länder viele Millionen und ein Viertel ihrer Bevölkerungszahl aufnehmen, sind die reichen Deutschen schon mit einem Prozent überfordert. Während deutsche Rüstungsexporte in aller Welt immer mehr Flüchtlinge hervorrufen, während deutsche Soldaten und Söldner an Kriegsschauplätzen Schaulustige mimen oder KSK-Killersoldaten spielen, kommen die Leidtragenden hierzulande an. Die freiwilligen Helfer bei der Berliner Erstaufnahme LaGeSo senden einen Hilferuf:

Von einem Land, das Hilfseinsätze in verwüsteten Erdbebenregionen, Kriegsgebieten und Flüchtlingslagern koordiniert, darf man erwarten können, dass sie dieses vergleichsweise kleine Problem ein paar hundert Meter Luftlinie vom Kanzleramt entfernt, innerhalb von ein paar Stunden lösen kann. Wenn denn ein Wille dazu da wäre. Ich sehe nichts von diesem Willen.

Und die einzigen behördlichen Hilfeleistung jenseits der nach dem Grundrecht auf Asyl: 1. Das Gesundheitsamt hat die Küche geschlossen, mit der die Flüchtlinge behelfsmäßig mit Nahrung und Wasser versorgt wurden. 2. Das Ordnungskräfte behindern die Versorgung von Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung. Ich habe mal einen Vorschlag: Ziehen wir doch die deutschen Soldaten, Söldner und zivile militärische Berater aus den Regionen ab und entsenden sie mitten nach Berlin, freilich unbewaffnet. Dort könnten sie dann Wiedergutmachung dafür leisten, was sie in den unsicheren Herkunftsländern teils seit Jahrzehnt nicht schaffen: Den Frieden zu sichern, den auch deutsche Waffenlieferungen mit zerstört haben.

Anschlag vs. Bagatelldelikte

Vor ein paar Tagen hatte zuletzt Sascha Lobo in einer Kolumne dazu aufgerufen: »Nennt sie endlich Terroristen!« Gemeint war der Journalismus, dessen er sich bedient, und der sich verharmlosender Wortwahl bedient. Dabei geht es meiner Meinung nach nicht nur darum die Rechtsterroristen endlich beim Namen zu nennen, sondern auch ihre Taten. Es sind Anschläge. Es sind keine Bagatelldelikte. Es wird Brandstiftung verübt, es werden Mob-artige Aufmärsche veranstaltet, es werden linke Politiker angegriffen. Und trotzdem liest man immer eines: Es handele sich um Übergriffe, Angriffe, Attacken usw. usf.

Jüngst aber, als die Brandstifter der rechtspopulistischen AfD Ziel wahlweise eines Übergriffs, Angriffs, Attacken, da hat man die Tat wieder beim Namen genannt: Auf das Unternehmen von Frauke Petry sei ein Anschlag verübt worden hieß es unisono, natürlich auch weil Presse inzwischen oft 1:1 Abdruck von Presseagenturmeldung bedeutet.

Dennoch: Das unterschiedliche Maß ist gerade so offensichtlich, das ich das mal direkt gegenüber stellen will.

Dies sind nur 3 und wahllos zusammengestellte Vergleiche. Würde sich jemand die Mühe machen, die publizistische Relativierung rechtsextremer Terroranschläge objektiv zu untersuchen, würde man wohl zu einem repräsentativeren Ergebnis kommen. Fest steht aber, das die deutsche Politik einerseits keine Lösungen parat hat, aber Populismus. Und das Rechtsextreme immer dreister und dreckiger agieren. Es wird Zeit das der gerade geforderte Aufstands der Anständigen an Fahrt auf- und dabei die Redaktionen der Republik mitnimmt.

Und noch ein Hinweis. In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich mal von Clickcourage gebloggt. Doch das gibt es nicht nur in der Form, mit einem Klick ein Petition zu zeichnen, einen Aufruf zu unterstützen oder eine Pressemitteilung zu like’n. Mathias Richel ruft dazu auf, die Aufwiegler der braunen Brandstifter mit ihrem Machwerk zu konfrontieren, indem man nämlich ihre einschlägigen Beiträge markiert, und sie und vor allem ihren Freundes- und Bekanntenkreis darüber aufklärt, wes Geistes Kind sie da in ihrer Freundeliste haben.